Warendorfer Hengstparade
"Schaufenster für Hengste"©

Text und Photos
Kyra Beth Houston

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Auf der Hengsparade: Der Reiter im versammelten Galopp mit Handpferd im Trab. Dies zeigt die Vielseitigkeit und das ruhige Temperament der Tiere.
Der Ansager bittet die Menge - etwa 10 000 waren gekommen - sich mit Beifallsbekundungen zurückzuhalten, bis die sechs Reiter wieder sicher im Sattel sitzen. Auf einem Kreis von etwa 6 Meter Durchmesser mit Blick zum Publikum stehen die gerade eingerittenen dreijährigen Hengste. Ihre Reiter nehmen die Füße aus den Steigbügeln, ziehen die Knie hoch und stemmen sich gleichzeitig zu einem Kopfstand auf dem Sattel hoch. Die jungen Hengste rühren sich nicht, obwohl es ihre erste Vorstellung vor Publikum ist.

Diese 'Rittigkeits'-Demonstration der dreijährigen Hengste war einer von 20 Programmpunkten der dreistündigen Hengstparade des Warendorfer Landgestütes in diesem Jahr. Ich besuchte diese Veranstaltung, die jedes Jahr Anfang Oktober stattfindet,   zum ersten Mal. Begleitet wurde ich von meinen deutschen Reiterfreunden. Wir kamen vormittags auf dem Gestüt an und bummelten zuerst durch die zahlreichen Verkaufsstände. Am besten gefiel mir der Stand mit der Aufschrift 'Warendorfer Pferdeäpfel'. Hier wurden feine Trüffelpralinen mit dem Aussehen von Pferdeäpfeln verkauft, eine bekannte Spezialität aus der Gegend.

Wir schlossen uns dann den anderen Besuchern zu einem Rundgang durch die Stallungen an. Die 180 Hengste werden in Boxenställen mit tiefer Stroheinstreu gehalten und ich war beeindruckt, daß sie sich durch die umherwandernde Menge nicht im geringsten beeindrucken ließen. Sie schienen das Ganze eher zu genießen: Die Pferde standen an den Boxengittern, anstatt sich zurückzuziehen und machten einen durchweg gelassenen Eindruck. Einer der Hengste stellte seinen Wunsch, durch die Gitterstäbe gestreichelt zu werden, demonstrativ zur Schau und wurde recht unwillig, als sich die Besucherin die ihn gerade liebkost hatte abwendete, um weiterzugehen. Dies war das einzige Zeichen von 'schlechtem Benehmen', daß wir während unseres Aufenthaltes auf der Gestütsanlage sahen. Die Ställe sind - bis auf wenige Einschränkungen - über den ganzen Tag für das Publikum geöffnet. Die Menschenbezogenheit dieser Zuchthengste ist eine überzeugende Demonstration der Qualität der hier im Landgestüt geforderten Zuchtziele. Trotzdem würde ich mich nicht trauen, die Rittigkeit der Hengste selbst zu erproben.

DThpas.jpg (8038 bytes) Ein Westfalenhengst zeigt eine Traversale

Mit drei Jahren werden die Hengste für das Landgestüt ausgesucht. In diesem Alter haben die Pferde eine gewisse Reife erreicht und man kann mit der Ausbildung beginnen. Die jährlich stattfindende Hengstparade hat den Zweck, Züchtern und anderen Interessenten die Eignung und Vielseitigkeit der Zuchthengste in den unterschiedlichen Disziplinen zu demonstrieren.

Im Verlauf des Programmes sahen wir unter anderem ein römisches Kampfwagenrennen bei dem die vierspännig gefahrenen Wagen in vollem Galopp durch die Arena donnerten. Wir genossen die Vorführung der Aktionstraber - Dressurhengste, die sich durch ihren erhabenen und raumgreifenden Trab auszeichnen - die von ihren daneben herlaufenden Betreuern am langen Zügel vorgeführt wurden. Die Betreuer mußten sich ordentlich strecken, wenn die energiegeladenen Hengste beim Wechsel durch die ganze Bahn zur Hochform aufliefen.

Fortsetzung folgt

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Dressage T o d a y ©, Ausgabe Januar 1998, Seiten 74-76